AI Business Specialist: Was hinter meiner Weiterbildung steckt und was Firmen davon haben
Ich bilde mich zum AI Business Specialist weiter. Was dieser neue eidgenössische Fachausweis bedeutet, wie ich das Gelernte im Arbeitsalltag einsetze, wie KMU davon profitieren können und warum ich auf ethische KI ohne Stellenabbau setze.
Zurzeit bilde ich mich zum AI Business Specialist weiter. Wenn ich davon erzähle, werde ich meistens gefragt, ob ich jetzt künstliche Intelligenz programmiere. Das tue ich nicht, und in diesem Artikel möchte ich erklären, worum es bei dieser Weiterbildung tatsächlich geht.
Was ein AI Business Specialist ist
Der AI Business Specialist ist ein neuer eidgenössischer Fachausweis, also eine Berufsprüfung der höheren Berufsbildung. Getragen wird er von ICT-Berufsbildung Schweiz, und die Richtlinien hat das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation genehmigt. Die erste Prüfung findet voraussichtlich im Herbst 2026 statt, weshalb das Berufsbild noch sehr jung ist.
Ein AI Business Specialist arbeitet zwischen der Technik und dem Geschäft. Dabei entwickelt man keine Sprachmodelle, sondern klärt ab, wo KI in einem Unternehmen wirklich etwas bringt, rechnet nach, ob sich der Einsatz lohnt, und begleitet die Einführung, bis die Mitarbeitenden damit arbeiten.
Die Lehrgänge decken dafür ungefähr diese Bereiche ab:
| Bereich | Worum es geht |
|---|---|
| Trends und Markt | Neue KI-Werkzeuge einordnen und beurteilen, was davon brauchbar ist |
| Strategie und Governance | Regeln für den verantwortungsvollen Einsatz, Datenschutz und Risiken |
| Business-Analyse | Abläufe verstehen und passende Anwendungsfälle finden |
| Machbarkeit und Business Case | Nutzen, Kosten und Risiken gegeneinander abwägen |
| Projekt und Change | Die Einführung planen und die Mitarbeitenden mitnehmen |
Auffällig finde ich, wie wenig davon mit Technik im engeren Sinn zu tun hat. Der grösste Teil der Arbeit besteht darin, einen Betrieb zu verstehen und danach gute Entscheidungen zu treffen.
Warum es diese Rolle braucht
KI-Werkzeuge sind heute für fast alle verfügbar, und ein Abo für einen Chatbot kostet nicht viel. Trotzdem erlebe ich oft, dass zwar alle Zugang haben, aber kaum jemand weiss, wofür er die Werkzeuge im eigenen Alltag konkret einsetzen soll.
Das Problem liegt dabei selten bei der Technik. Viel häufiger ist unklar, welche Arbeiten sich überhaupt eignen, ob Kundendaten in ein bestimmtes Tool eingegeben werden dürfen und wer am Schluss prüft, ob das Resultat stimmt. Zudem lässt sich ohne eine ehrliche Messung kaum sagen, ob ein Werkzeug wirklich Zeit spart oder ob es sich nur so anfühlt.
Diese Fragen beantwortet kein Softwareanbieter. Dafür braucht es jemanden, der den Betrieb kennt und gleichzeitig versteht, was die Werkzeuge können und wo ihre Grenzen liegen.
Wie ich das im Arbeitsalltag nutze
Über sechs Jahre lang habe ich im Swisscom-Projekt bei Capita im technischen Support gearbeitet. Dabei habe ich Störungen im 1st und 2nd Level aufgenommen, die meisten Anfragen beim ersten Anruf gelöst und komplexere Fälle über das Ticketing-System an die zuständige Abteilung weitergeleitet. Was ich dort gelernt habe, liegt näher an dieser Weiterbildung, als man denken würde, weil es auch dort darum ging, zuzuhören, das eigentliche Problem zu finden und es so zu erklären, dass es jemand ohne IT-Hintergrund versteht.
Mit meiner kaufmännischen Grundbildung sowie dem EFZ als ICT-Fachmann bringe ich zudem beide Seiten mit, die bei KI-Projekten zusammenkommen. Ich verstehe die Abläufe in einem Büro und kann gleichzeitig einschätzen, was ein System technisch leisten kann.
Im Alltag gehe ich deshalb zuerst vom Ablauf aus und erst danach vom Werkzeug. Ich frage also nicht, wo man KI einsetzen könnte, sondern was heute am meisten Zeit kostet. Erst wenn klar ist, wie eine Arbeit heute läuft, lässt sich beurteilen, ob ein Sprachmodell sie verbessert oder ob eine einfache Vorlage schon reicht.
Ausserdem fange ich lieber klein an. Statt eines grossen KI-Projekts nehme ich einen einzelnen Ablauf, der nach kurzer Zeit sichtbar besser läuft, und erst wenn das funktioniert, kommt der nächste dazu.
Bevor ein Team mit KI arbeitet, braucht es klare Regeln. Das habe ich bei meinem Bewerbungs-Werkzeugkasten selbst erlebt, weil ein Sprachmodell überzeugend klingende Dinge erfindet, wenn man es lässt. Es muss also vorher feststehen, was erlaubt ist, welche Daten nicht in ein Tool gehören und wer die Resultate gegenliest.
Wie Firmen davon profitieren
Grosse Unternehmen haben eigene Teams für KI. Ein Treuhandbüro, eine Arztpraxis oder ein Handwerksbetrieb in der Region Schaffhausen hat das in der Regel nicht, und genau dort sehe ich meine Aufgabe.
Am Anfang steht eine Standortbestimmung, bei der wir gemeinsam anschauen, wo im Alltag Zeit verloren geht. Das betrifft oft das Beantworten von E-Mails, das Schreiben von Offerten, das Erstellen von Protokollen oder das Suchen von Informationen in Dokumenten. Daraus entsteht eine kurze Liste mit Anwendungsfällen, die sich lohnen, und mit solchen, bei denen sich der Aufwand nicht rechnet.
Danach rechnen wir nach, was ein Werkzeug kostet, wie viel Zeit es realistisch spart und was passiert, wenn es einen Fehler macht. Mir ist dabei eine ehrliche Schätzung lieber als ein grosses Versprechen.
Damit die Mitarbeitenden sicher mit den Werkzeugen arbeiten können, halten wir fest, welche Tools genutzt werden dürfen, welche Daten nicht hineingehören und wie die Resultate geprüft werden. Gerade beim Datenschutz ist das für KMU keine Formalität.
Bei der Einführung zeige ich den Mitarbeitenden, wie sie die Werkzeuge in ihrem eigenen Arbeitsalltag einsetzen, und erkläre es ohne Fachbegriffe. Neue Mitarbeitende einzuschulen und ihnen bei den ersten Schritten zur Seite zu stehen, habe ich schon bei Swisscom gerne gemacht, und im IT-Support von Munot Informatik mache ich nichts anderes.
Dazu kommt, dass ich aus der Region bin. Ich komme vorbei, höre zu und bleibe auch nach der Einführung erreichbar, falls Fragen auftauchen.
Ethische KI und sichere Arbeitsplätze
Dieser Punkt ist mir besonders wichtig, weshalb ich ihm einen eigenen Abschnitt gebe. Ich möchte KI so einsetzen, dass sie den Menschen im Betrieb hilft, und nicht so, dass sie ihnen die Arbeit wegnimmt. Projekte, deren Ziel es ist, Stellen abzubauen, begleite ich deshalb nicht.
Meistens geht es ohnehin um etwas anderes. Wenn ein Werkzeug die immer gleichen E-Mails vorformuliert oder ein Protokoll zusammenfasst, bleibt den Mitarbeitenden mehr Zeit für die Arbeit, für die sie eigentlich angestellt sind, also für die Kundschaft, für schwierige Fälle und für alles, wofür es Erfahrung braucht. Die Entscheidung bleibt dabei immer bei einem Menschen, und die KI liefert nur einen Vorschlag, den jemand prüft.
Ethisch heisst für mich zudem, dass niemand im Unklaren gelassen wird. Die Mitarbeitenden sollen wissen, wo KI im Einsatz ist und wofür, und sie werden von Anfang an miteinbezogen, statt vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden. Ebenso gehören persönliche Daten von Kundinnen, Kunden und Mitarbeitenden nicht in ein Werkzeug, bei dem unklar ist, was mit ihnen passiert. KI zur Überwachung von Mitarbeitenden einzusetzen, kommt für mich ebenfalls nicht in Frage.
Was KI nicht kann
Weil das Thema voller Übertreibungen ist, möchte ich auch das festhalten. KI ersetzt keine Fachleute und macht aus einem chaotischen Ablauf keinen geordneten. Sie hilft dabei, gute Abläufe schneller zu erledigen, während die Arbeit davor, also verstehen, ordnen und entscheiden, weiterhin bei den Menschen bleibt. Mit dieser Weiterbildung lerne ich, Firmen bei diesem Teil der Arbeit zu begleiten.
Kontakt
Wenn Sie wissen möchten, ob KI in Ihrem Betrieb etwas bringen könnte, oder wenn Sie nicht wissen, wo Sie anfangen sollen, melden Sie sich gerne bei mir. Ich freue mich darauf, Ihren Betrieb kennenzulernen.